Waldbesitzer warnen vor Bedrohung für europäische Forstwirtschaft

15.07.2021 - 16:40:56

Die Familienbetriebe Land und Forst sehen in dem „Fit for 55-Paket“ der Europäischen Kommission, mit dem die Klimaziele der Gemeinschaft umgesetzt werden sollen, eine „Bedrohung für die europäische Forstwirtschaft“.

Forstwirtschaft
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„Wir Waldbauern unterstützen das Erreichen der Klimaschutzziele“, stellte der Verbandsvorsitzende Max von Elverfeldt anlässlich des jetzt in Brüssel erzielten Beschlusses zum „Fit for 55-Paket“ klar. Die Vorgaben des Entwurfs der Verordnung über Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) missbrauchten jedoch den Wald als CO2-Speicher für andere Sektoren.

Außerdem geht von Elverfeldt davon aus, dass die Forstwirtschaft mit diesen Speicherzielen erschwert wird. Dem Wald würden nämlich CO2-Bindungsziele zugewiesen, die ohne weitreichende Bewirtschaftungseinschränkungen nicht zu erreichen seien. Damit bleibe das Potential des Waldes als Lieferant von klimafreundlichen Holzprodukten ungenutzt. Das könne man sich aus Klimaschutzgründen aber weder in Europa noch in Deutschland leisten.

Nach Einschätzung der Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR) wird die zukünftige Rolle des Waldes und der Forstwirtschaft als Teil der Lösung zur Erreichung der Klimaneutralität durch den „Fit for 55-Paket“-Entwurf „eindeutig abgewertet“. Wenn die Forstwirtschaft auf das „Abstellgleis geschoben“ werden solle, würden die EU-Klimaziele verfehlt und ein Großteil der bewirtschaftbaren Waldfläche gehe an den Klimawandel verloren.

Den Wald isoliert als CO2-Senke zu betrachten und den Schwerpunkt auf Biodiversität zu lenken, werde zu spürbaren Nutzungseinschränkungen und Holzknappheit führen, die sich auf den Holzbau sowie die Energie- und Wärmewende auswirken werde, erklärte der DFWR. Für Präsident Georg Schirmbeck ist es nicht nachvollziehbar, dass über den Wald und seine Bewirtschaftung in Europa nur pauschal und einseitig ökologisch befunden werde, ohne sich mit der Waldbewirtschaftung der Länder und seiner sozioökonomischen Bedeutung im Einzelnen auseinanderzusetzen.

„Wenn wir alle über einen Kamm scheren, werden viele positive Entwicklungen und Impulse, die die Forstwirtschaft für den Green Deal, die Ökosystemleistungen und die Wertschöpfung im ländlichen Raum in Europa bewirken kann, verlieren“, mahnte Schirmbeck. Der Wald in Europa bedeute mehr als nur den Schutz der Biodiversität. Er sei auch Rohstofflieferant, Arbeitsplatz und Erholungsort und diene darüber hinaus dem Klima- und Wasserschutz.

Quelle: AgE
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