Exporthürden bringen ukrainische Landwirte in Existenznot

06.09.2022 - 14:26:54

Auf die nach wie vor extrem verzögerte Abwicklung von Transporten an der EU-Grenze zur Ukraine hat der Verband „Der Agrarhandel“ (DAH) hingewiesen.

Agrarhandel Ukraine
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Die Warteschlangen für Lastkraftwagen würden aktuell bis zu 38 km betragen; es ergäben sich Wartezeiten von fünf bis sechs Tagen. Die dadurch entstehenden Zusatzkosten machten aktuell etwa 40 % oder bis zu 90 Euro/t an den gesamten Logistikkosten aus, beklagte der Verband. Anders formuliert: Bei einem Preis von zum Beispiel 330 Euro/t Weizen, die ein Landwirt im Ostseehafen erzielen könne, würden damit 25 % des Warenwertes allein durch Wartezeiten an der Grenze vernichtet. Die Verzögerungen hätten den gleichen Effekt wie eine Exportsteuer, monierte heute der DAH.

Die ukrainischen Landwirte erhielten zurzeit nur 130 Euro pro Tonne Weizen, stellte der Verband weiter fest. Doch nur wenn sie die neue Ernte sowie die Altbestände verkaufen könnten, erzielen die Landwirte die notwendigen Erlöse, um ausreichend liquide Mittel zur Finanzierung der Herbstaussaat sowie der Pacht und Löhne zu haben.

Die Zeit dränge, betont der DAH. Wenn es nicht gelinge, die Situation in den nächsten Wochen zu entspannen, wäre dies ein fatales Signal für die Weltmärkte und die ukrainischen Landwirte. Damit würde sich die Versorgungskrise schnell in das kommende Wirtschaftsjahr fortsetzen. Die Getreideernte in der Ukraine sei weitgehend abgeschlossen, Mais, Soja und Sonnenblumen würden ab September geerntet. Zwar konnten längst nicht alle Flächen abgeerntet werden, die Ergebnisse seien aber besser als erwartet ausgefallen.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) gehe in einer konservativen Schätzung von einem Exportpotential der Ukraine von 38 Mio. t Getreide und Ölsaaten aus, berichtete der Verband. Dazu kämen noch Altbestände von 13 Mio. t. Da der Inlandsverbrauch vermutlich überschätzt werde, sei von einem tatsächlichen Exportpotential von 55 Mio. t bis 60 Mio. t Getreide und Ölsaaten auszugehen. Um dieses auszuschöpfen, wären Ausfuhren von 4,5 Mio. t bis 5 Mio. t pro Monat erforderlich. Über den Seeweg könnten davon 1,5 Mio. t bis 1,7 Mio. t verschifft werden, sollte die Inlandslogistik nicht gestört werden. Das bedeute, dass auch weiterhin die Routen nach Süden über Rumänien oder nach Westen über Polen, die Slowakei und Ungarn unbedingt erforderlich seien.

Während die Einrichtung der Getreidekorridore über die ukrainischen Häfen als großer Erfolg begrüßt wurde, hat sich an der misslichen Situation über den Landweg laut DAH nichts geändert. Die ukrainischen Landwirte fühlten sich im Stich gelassen. Deutschland und die EU stünden in der Pflicht, schnell zu handeln und den Weg für Nahrungsmittel aus der Ukraine in Richtung Westen zu beschleunigen, so „Der Agrarhandel“.

Quelle: AgE

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