EU-Schweinesektor: Expertengruppe drängt auf stärkere Diversifizierung des Exports

22.01.2023 - 11:11:53

Die Schweinefleischproduzenten und -verarbeiter in der Europäischen Union müssen ihre Absatzmärkte in Drittstaaten stärker diversifizieren. Diese Empfehlung findet sich im jetzt vorgelegten Abschlussbericht der seit rund neun Monaten tagenden „Pigmeat Reflection Group“.

Schweinehaltung
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Darin drängt diese darauf, die Abhängigkeit von einigen wenigen Bestimmungsländern, insbesondere von unzuverlässigen Partnern, deutlich zu reduzieren. Gemeint sein dürfte damit in erster Linie China, dessen Schweinefleischimporte 2020 und 2021 außergewöhnlich hoch ausgefallen, 2022 dann aber eingebrochen waren.

Die Gruppe hatte sich auf Initiative von EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski Anfang April vorigen Jahres angesichts der wirtschaftlich sehr angespannten Lage vieler Ferkelerzeuger und Schweinemäster konstituiert. Sie bestand aus Vertretern aller 27 Mitgliedstaaten sowie Repräsentanten von 20 verschiedenen Verbänden, darunter die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA), die EU-Gruppe der Internationalen Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM - Organics Europe) sowie der Dachverband der europäischen Ernährungsindustrie (FoodDrinkEurope). Die Gruppe sollte alle Aspekte des Sektors vor allem mit Blick auf dessen Nachhaltigkeit eingehend untersuchen.

Hinsichtlich der sozioökonomischen Dynamik des Sektors empfiehlt die Reflexionsgruppe, die Zusammenarbeit zwischen den Schweinehaltern über Erzeugerorganisationen und Genossenschaften zu stärken. Dies sollte auch eine stärkere Förderung der Familienbetriebe einschließen, um der anhaltenden Konzentration der Schweineproduktion Einhalt zu gebieten. Zudem werden die Mitgliedstaaten ermuntert, sämtliche Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auszuschöpfen, die für diesen Sektor zur Verfügung stehen.

Zum Thema Umwelt und Klima rät die Reflexionsgruppe zu Maßnahmen zur Stärkung der Sensibilisierung der Landwirte für ein nachhaltigeres Güllemanagement und die Minderung der Emissionen. Zudem sollte die Aufbereitung und Weiterverarbeitung organischer Düngemittel vorangebracht werden. Im Übrigen müsse es mehr Unterstützung für Biogaslösungen auf der Grundlage von Gülle, Rückständen und Abfällen geben.

Auch bezüglich der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und anderer Tierseuchen, pocht das Gremium in seinem Abschlussbericht auf mehr Unterstützung und mahnt eine stärkere Förderung wirksamer Biosicherheitsmaßnahmen im gesamten Schweinesektor an. Die Jagd von Wildschweinen müsse zur Eindämmung von Zoonosen konsequenter erfolgen. Schließlich fordert die Gruppe eine Forcierung der Entwicklung von Impfstoffen für Wild- und Hausschweine gegen die ASP.

Quelle: AgE/kl
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